2025 86 1 Leopardus TigrinuscAlexander Sliwa

Anden-Ozelotkatze

„Dbon shkin“ – Die Anden-Ozelotkatze und andere kleine Katzen in der Comarca Naso Tjër Di, Panama

Bis vor Kurzem wurde der Tigerkatzen-Komplex in zwei Arten unterteilt: Leopardus tigrinus und Leopardus guttulus. Beide gelten als gefährdet auf der IUCN Roten Liste. Neuere Analysen zeigen jedoch, dass Exemplare aus den Nebelwäldern Zentral- und Südamerikas einer neuen Art zuzuordnen sind: Leopardus pardinoides, auch bekannt als Anden-Ozelotkatze oder "Dbon shkon" in der Naso-Sprache.

Tigerkatzen sind in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet selten und haben meist niedrige Populationsdichten. Aufgrund von Habitatverlust, Jagd für den Fellhandel, Straßenverkehr und der Konkurrenz durch Ozelots haben sie bereits 50-70 % ihres historischen Verbreitungsgebiets verloren. Über die Verbreitung und Ökologie der Anden-Ozelotkatze sind bisher nur sehr wenige Informationen verfügbar. Da sie erst kürzlich als eigene Art identifiziert wurde, gibt es noch keine spezifische Bewertung für die IUCN Rote Liste.

In Costa Rica blieben selbst umfangreiche Studien weitgehend erfolglos, was das Auffinden dieser seltenen Katze betrifft. Um wirksame Schutzmaßnahmen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu entwickeln, sind dringend wissenschaftliche Daten zu ihrer Verbreitung und Habitatnutzung erforderlich. Modellierungen zur Lebensraum-Eignung zeigen, dass die Art isoliert in der Talamanca-Bergkette lebt. Besonders das zerklüftete Gelände wirkt sich dabei positiv auf die Lebensraumqualität aus.

Die Comarca Naso Tjër Di, ein Gebiet innerhalb geschützter Parks, wurde 2022 vom Obersten Gerichtshof offiziell anerkannt. Sie erstreckt sich von Meereshöhe bis über 3000 Meter und ist nur mit dem Boot erreichbar. In der Naso-Folklore wird von einer geheimnisvollen Bergkatze berichtet – vermutlich der Anden-Ozelotkatze.

Seit 13 Jahren unterstützt das Projektteam ODESEN in ihren Bemühungen um nachhaltige Entwicklung und Naturschutz. Bereits 2014 konnten in einem community-basierten Kamerafallenprojekt („Dbon Tjang“) sechs Wildkatzenarten und fast alle zentralamerikanischen Säugetiere dokumentiert werden. Aufgrund begrenzter finanzieller Mittel konnten damals jedoch nur 8-10 Kamerafallen eingesetzt werden.

Zehn Jahre später wird nun ein professionelles Kamerafallen-Transekt mit 30 Kameras eingerichtet, um die Präsenz von Leopardus pardinoides nachzuweisen und wissenschaftliche Daten zu seiner Ökologie, Dichte und Verbreitung zu sammeln. Die Kameras wurden mit Unterstützung der Stiftung Artenschutz finanziert. Dank der bereitgestellten Ausrüstung und Schulungen kann ODESEN ein unabhängiges, langfristiges Monitoring der Artenvielfalt durchführen. Zukünftig sollen weitere Studien folgen, die moderne Wissenschaft mit indigenem Wissen verbinden.