Europäischer Nerz

Region: Estland / Deutschland

Projektpartner: Euronerz e.V., Foundation Lutreola, Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen

Projektstatus Dieses Projekt läuft und kann finanziert werden.

Titelfoto: © Tiit Maran

Der Nerz kehrt heim — Rückkehr eines kleinen Jägers

Wenn von stark bedrohten Arten und Ökosystemen die Rede ist, denken wir meistens an die weit entfernten Tropenwälder oder die artenreichen Korallenriffe. Doch auch hier, direkt vor unserer Haustür, hat menschlicher Einfluss die Natur unter enormen Druck gesetzt und viele Arten an den Rand der Ausrottung gebracht.

Ein ähnliches Schicksal ist einem kleinen, wasserliebenden Jäger widerfahren — dem Europäischen Nerz. Früher war er über ganz Europa verbreitet: von Spanien im Westen bis zum Uralgebirge im Osten, von Finnland bis zum Schwarzen Meer. Doch sein dunkelbraunes, schimmerndes Fell ist ihm zum Verhängnis geworden — lange Zeit war die starke Bejagung eine der wichtigsten Ursachen für seinen Rückgang. Auch sein Lebensraum wurde nach und nach zerstört. Der Nerz benötigt naturnahe Ufer, an denen er nach Mäusen, Fischen und anderer Beute jagt. Mit zunehmender Industrialisierung und Entwicklung der Landwirtschaft wurden die Ufer besiedelt, die Feuchtgebiete trockengelegt und die Bäche mit Abwässern belastet. Hinzu kam ein starker Konkurrent aus Übersee: Der in Pelzfarmen gezüchtete amerikanische Mink brach aus oder wurde absichtlich freigelassen. Da er größer, anspruchsloser und robuster als sein europäischer Verwandter ist, hat er sich schnell gegenüber dem heimischen Nerz durchgesetzt und ihn aus seinem ohnehin begrenzten Lebensraum verdrängt.

Heute kommt der Europäische Nerz nur noch in kleinen isolierten Populationen vor und zählt zu den am stärksten gefährdeten Säugetierarten Europas. Auch in Deutschland gilt er seit 1925 als ausgestorben.

 

Wiederansiedlung in Deutschland

Der flinke Beutegreifer bekommt hierzulande eine neue Chance: 2010 wurde ein Projekt zur Wiederansiedlung am niedersächsischen Steinhuder Meer gestartet. In enger Kooperation vereinen die Wildtier- und Artenschutzstation e.V. in Sachsenhagen, die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM) und EuroNerz e.V. ihre Bemühungen mit einem gemeinsamen Ziel: Der flinke Jäger soll ein neues Zuhause finden.
Die Stiftung Artenschutz unterstützte die Wildtierstation Sachsenhagen beim Bau zweier naturnah gestalteter Gehegekomplexe. In der Zuchtanlage werden Nerze aufgezogen und für die spätere Auswilderung in ihrem natürlichen Lebensraum vorbereitet. Da es für die Auswilderung und für die Aufzucht der Jungtiere sehr wichtig ist, dass die Tiere möglichst wenig in Kontakt mit Menschen kommen und nicht gestört werden, ist diese Zuchtanlage für Besucher nicht zugänglich.
Stattdessen bietet ein weiteres, für Besucher zugängliches Schaugehege die Möglichkeit, sich über die Art zu informieren und die kleinen Marder in einer naturnahen Umgebung zu beobachten. Das Ziel dieses speziell konzipierten Geheges ist es, bei den Besuchern ein Bewusstsein für die Nerze, ihre Biologie und Gefährdungsursachen zu schaffen. Da die Anlage mit Glasscheiben begrenzt ist, können selbst kleine Kinder die faszinierenden Tiere beobachten. Zusätzlich werden die Besucher mittels Schautafeln über Biologie und Gefährdung des Nerzes sowie das Wiederansiedlungsprojekt informiert. Das zweite Gehege liegt an einem auf dem Stationsgelände schon vorhandenen Naturlehrpfad und wird in das Umweltbildungskonzept der Station integriert.
Am 30. Juni 2010 fand die feierliche Eröffnung der Gehege statt. Zur offiziellen Einweihung begrüßte Stationsleiter Dr. Florian Brandes zahlreiche Gäste, die an dem Projekt beteiligt sind. Sein besonderer Dank galt den Vertretern des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt- und Klimaschutz und der Stiftung Artenschutz sowie der Firma Nestlé-Schöller, welche die Finanzierung der Baumaßnahmen in der Wildtierstation ermöglicht haben. Weiterhin dankte er allen Behörden des Landkreises und der Region Hannover, die das Projekt unterstützt haben.

Das Projekt bis 2015 finanzielle Unterstützung von Nestlé Schöller GmbH.

 

Wideransiedlung in Estland

Die Stiftung Artenschutz begleitet neben dem deutschen Projekt schon seit langem die Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes in Estland. Unser langjähriger Partner, die Stiftung Lutreola, hat zum ersten Mal im Jahr 2000 Europäische Nerze auf der Insel Hiiumaa ausgesetzt. Seitdem läuft ein durchgängiges Programm zum Monitoring und zur Wiederansiedlung der Tiere. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wurden die jahrelangen intensiven Bemühungen des Teams um Projektleiter Tiit Maran belohnt. Die Nerze leben und pflanzen sich erfolgreich in Freiheit fort, die Population gilt als stabil. In naher Zukunft ist daher auch die Etablierung einer zweiten Nerzpopulation auf  Saaremaa, der größten Insel Estlands, geplant.  
Ein anderer Hauptbestandteil der Schutzbemühungen für den Europäischen Nerz besteht in der Haltung und Zucht der vom Aussterben bedrohten Art in der Estnischen Hauptstadt. Hier hat die Geschichte angefangen – 1986 zogen die ersten Nerze in die Einrichtung ein, sechs Jahre später startete das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Art. Zurzeit befindet sich im Zoo Tallinn über die Hälfte der gesamten Population in menschlicher Obhut.
Die Stiftung Artenschutz fördert neben der Freilandarbeit auf der Insel auch die Tierhaltung (Pflege, Tierfutter- und Wasserversorgung) in den Auswilderungsgehegen sowie die Ausbesserung der schon bestehenden Zuchtanlagen.