Amphibien-Fonds 2011

Geförderte Projekte:

Rettung kleiner und isolierter Restvorkommen der Knoblauchkröte in Estland

Erfassung der Amphibiendiversität im Naturschutzgebiet Pu Hu in Nordvietnam

Schutzprojekt für den Pickersgill-Riedfrosch in Mt. Moreland, Südafrika

Die schwimmenden Wiesen Amazoniens — unbeachteter Amphibienreichtum in Gefahr?

Wiederherstellung der Kammmolch-Population in der Region von St. Petersburg

 

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Projektstatus Dieses Projekt ist abgeschlossen und benötigt keine Finanzierung

 Die Projekte des Amphibien-Fonds im Jahr 2011

 

Rettung kleiner und isolierter Restvorkommen der Knoblauchkröte in Estland

Seit den 1970ern verzeichnen die Populationen der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) einen europaweiten Rückgang, vor allem in den westlichen und nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebietes. Auch in Estland, wo die Art die nördlichste Grenze ihres Vorkommens erreicht, hat der Bestand der Knoblauchkröte in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Grund dafür ist die fortschreitende Lebensraumzerstörung – Intensivierung der Landwirtschaft, groß angelegte Drainagesysteme, Zerstörung der Teiche und die Aussetzung gebietsfremder Fischarten gefährden das Überleben der Art.

Die estnische Non-Profit-Organisation Põhjakonn hat es sich daher zum Ziel gesetzt, fünf Populationen der Knoblauchkröte im Nordosten Estlands vor dem Aussterben zu bewahren. Diese Populationen sind von anderen vollkommen isoliert, was die Gefahr der Inzucht erhöht. Zudem sind die meisten dieser Populationen von einem einzigen Brutteich abhängig, der sich vorwiegend in einem schlechten Zustand befindet (stark überwuchert, versandet oder zu schattig). Mit der finanziellen Unterstützung des Amphibien-Fonds setzt sich Põhjakonn für die Restaurierung dieser überlebenswichtigen Lebensräume sowie für die Überwachung und Sicherung des Bruterfolges jeder Population ein. Durch die Schaffung von Verbindungskorridoren soll das Überleben der Knoblauchkröte in dieser Region langfristig gesichert werden.

 

Erfassung der Amphibiendiversität im Naturschutzgebiet Pu Hu

Das Naturschutzgebiet „Pu Hu“, das im Norden Vietnams liegt, wurde im Jahr 1998 gegründet. Es ist Teil eines Gebirgsmassivs und wird sowohl im Norden als auch im Süden von zwei Flüssen eingegrenzt.

Diese einmalige Lage sowie das Vorhandensein von Karstwäldern, die die Entstehung besonders angepasster Formen begünstigen, lassen das Vorhandensein lokaler, isolierter Arten vermuten. Doch bislang wurde dieses einmalige Gebiet wissenschaftlich nur unzureichend untersucht und es liegen nur spärliche und zum Teil sehr veraltete Daten über die gebietstypische Amphibien- und Reptilienvielfalt vor.
Daher ist die wissenschaftliche Erfassung der im Naturschutzgebiet vorkommenden Amphibien- und Reptilienarten das primäre Ziel der Projektleiter Thomas Ziegler und Truong Quang Nguyen. Die Ergebnisse der Studie sollen als Grundlage für die Entwicklung geeigneter Schutzmaßnahmen dienen — Ziel ist die Erarbeitung eines verbesserten Naturschutzgebiets- und Artenschutzmanagements. Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll optimiert werden: Im Falle der Entdeckung von sogenannten „Flaggschiffarten“ (auffällige, für die Öffentlichkeit attraktive Tierarten) sollen sie auch dazu dienen, eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsförderung durchzuführen.
Die direkte Nutzung bzw. Umsetzung der Forschungsdaten für ein nachhaltiges Schutzgebietsmanagement ist durch die enge Zusammenarbeit von Spezialisten mit Naturschutzberatern direkt vor Ort gewährleistet.

 

Schutzprojekt für den Pickersgill-Riedfrosch in Mt. Moreland, Südafrika

Hyperolius pickersgilli ist eine für Südafrika endemische Riedfroschart, die ausschließlich in der Provinz KwaZulu-Natal vorkommt. Die Population ist extrem stark geschrumpft und die Art wird aktuell als „vom Aussterben bedroht“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN eingestuft. Die kleine Amphibie ist stark spezialisiert: Ihr Vorkommen beschränkt sich auf das dichte Schilf in küstennahen Gebieten – ein Lebensraum, der früher weit verbreitet war, doch mit der Entwicklung der Industrie und der Landwirtschaft zunehmend zerstört wurde. Aktuell sind elf verschiedene Vorkommen bekannt, doch alle sind voneinander isoliert. Dazu sind die meisten Populationen so klein, dass sie auf längere Sicht für nicht überlebensfähig gehalten werden.

Die größte Restpopulation lebt in dem „Froggy Pond“, einem Feuchtgebiet, das sich in unmittelbarer Nähe des neu gebauten King Shaka Flughafens befindet. Der Froggy Pond ist ein wichtiges Refugium nicht nur für die Riedfrösche, sondern auch für etwa 20 andere Amphibienarten, die einst in der gesamten Region verbreitet waren. Allerdings ist auch dieser Lebensraum stark bedroht – Lärmbelastung, verseuchte Abwässer sowie die mögliche zukünftige Entwicklung und der Ausbau des nahegelegenen Flughafens stellen eine Gefahr für das langfristige Bestehen des Feuchtgebietes dar.

Um die Bedeutung von Mt. Moreland für den Schutz der größten Population von Hyperolius pickersgilli zu untersuchen, führt Prof. Louis du Preez von der North-West University in der Brutsaison 2011-2012 eine Studie durch. Ziel des Projektes ist zu untersuchen, ob die größte Population längerfristig überleben kann. Außerdem sollen die Ergebnisse dieser Studie die Grundlage für die potenzielle Ausweisung von Mt. Moreland als Schutzgebiet liefern.

 

Die schwimmenden Wiesen Amazoniens – unbeachteter Amphibienreichtum in Gefahr?

Vor dem Hintergrund der starken Abholzung der Regenwälder Amazoniens steigt die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Arten stetig an. Um geeignete Schutzmaßnahmen für gefährdete Arten umsetzen zu können, ist Kenntnis der Amphibienfauna vorausgesetzt. In Amazonien jedoch ist bislang ein ganzer Lebensraumtyp unerforscht geblieben: die „schwimmenden Wiesen“.

Die „schwimmenden Wiesen“ sind eine Pflanzenformation der großen Flüsse des gesamten Amazonas-Gebietes. Sie bilden ein einzigartiges Ökosystem und es wird vermutet, dass sich hier Arten verbergen könnten, die auf diesen Lebensraumtyp spezialisiert sind und dort ausschließlich oder vorwiegend vorkommen.
Den unerforschten Amphibienreichtum der „schwimmenden Wiesen“ detailliert zu erfassen, haben sich drei deutsche und ein peruanischer Wissenschaftler zum Ziel gesetzt: Philipp Böning, Silas Wolf, Dr. Stefan Lötters und Pablo J. Venegas werden erstmalig die in den „schwimmenden Wiesen“ vorkommenden Amphibienarten erforschen. Darüber hinaus soll der Einfluss des anthropogenen Drucks auf das Amphibienvorkommen untersucht werden. Zudem sollen auf Grundlage der Ergebnisse erste Schutz- und Managementstrategien für diesen einzigartigen Lebensraum entwickelt werden.

 

Wiederherstellung der Kammmolch-Population in der Region von St. Petersburg

Die Projektleiter Konstantin D. Milto und Mikhail Bugaturov haben dieses Projekt ins Leben gerufen, um den Fortbestand des Nördlichen Kammmolches (Triturus cristatus) in der Region um St. Petersburg zu sichern. Hier steht die Art am Rande der Ausrottung. Der Populationsrückgang verläuft so schnell und unerwartet, dass die Population wahrscheinlich verschwindet, noch bevor die Gründe für diesen dramatischen Rückgang erforscht werden konnten.

Die Bedrohung entsteht insbesondere durch die Invasion der Chinesischen Schläfergrundel (Percottus glenii) – einer Fischart, die sich von Larven und wahrscheinlich auch erwachsenen Molchen ernährt. Ursprünglich in der Amur-Region zuhause, drang dieser Fisch vor einigen Jahrzehnten auch in Europa ein. Auch Angler setzen Schläfergrundeln absichtlich in Fischerteichen aus, um die Fischvielfalt zu erhöhen.
Durch die Umsetzung sofortiger Maßnahmen soll der Nördliche Kammmolch vor der endgültigen Auslöschung bewahrt werden. Zu den Schutzmaßnahmen gehören unter anderem die Etablierung eines Zuchtprogramms im Zoo von St. Petersburg, Ermittlung der Anzahl und Verbreitung der (noch) überlebenden Populationen, Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung über die mit den Schläfergrundeln verbundene Problematik, Lebensraumrestaurierung und Wiederansiedlung der Tiere im Freiland.