Amphibien-Fonds 2012

Geförderte Projekte:

Verbreitung und Bedrohungsfaktoren des zentralasiatischen Salamanders

Amphibienschutz und Ökotourismuns in den Regenwäldern Zentralguyanas

Titicaca Water Frog Conservation Project

Sag mir, wo die Frösche sind — Amphibienschutz und Umweltbildung

Amphibiennachzuchtprogramm in der „Melinh Station for Biodiversity“

 

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Projektstatus Dieses Projekt ist abgeschlossen und benötigt keine Finanzierung

 Die Projekte des Amphibien-Fonds im Jahr 2012

 

Verbreitung und Bedrohungsfaktoren des zentralasiatischen Salamanders

Der Sibirische Froschzahnmolch (Ranodon sibiricus) ist eine sehr seltene Molchart mit einem extrem kleinen Verbreitungsgebiet von etwa 160 km². Die Amphibie ist ausschließlich im Südosten von Kasachstan und in einem kleinen Gebiet im benachbarten China zu finden. Der Lebensraum des Molches ist sehr begrenzt: Die Art lebt auf einer Höhe von etwa 1800-2000 m üNN in den klaren, sauerstoffreichen Gebirgsbächen und –flüssen.

Die erste und letzte Monitoring-Studie über den Sibirischen Froschzahnmolch wurde in den 1980er-Jahren durchgeführt. Bedauerlicherweise wurde dabei das Hauptverbreitungsgebiet, das Tal des Flusses Koksu, nicht einbezogen. Seitdem fehlen genaue Kenntnisse über die tatsächliche Verbreitung der seltenen Art.
Auch der Zustand der ohnehin begrenzten natürlichen Lebensräume gibt einen Grund zur Sorge. Sie stehen unter enormen Druck, vor allem durch klimatisch bedingte Aridifizierung (Ausbreitung trockener Verhältnisse), Überweidung und Entwaldung. Und obwohl der Sibirische Froschzahnmolch in der Roten Liste des Landes aufgelistet ist, befindet sich keines seiner Vorkommen unter gesetzlichem Schutz.
Angesichts dieser Tatsachen ist Grundlagenforschung zu der Verbreitung und den Bedrohungsfaktoren für das Überleben der Art extrem wichtig. Tatjana Dujsebayeva von der Association for the Conservation of Biodivesity of Kazakhstan hat sich dieser Aufgabe angenommen. Mit Fördermitteln aus den Amphibien-Fonds werden Daten über die aktuelle Verbreitung und die menschenbedingten Gefährdungsursachen gesammelt. Die Studie soll die geeignetsten Gebiete für den Molchschutz bestimmen sowie grundlegende Informationen für den “National Action Plan for Ranodon sibiricus Conservation” liefern.
Geplant ist auch ein Umweltbildungsprogramm mit Vorträgen und Präsentationen für Schulen und andere Bildungseinrichtungen innerhalb oder in der Nähe des Verbreitungsgebietes des sibirischen Froschzahnmolches. Vorgesehen ist auch die Veröffentlichung einer Broschüre und von Postern mit allgemeinen Informationen über die Art und deren Schutz.

 

Amphibienschutz und Ökotourismus in den Regenwäldern Zentralguyanas

Die Region des Guyanaschildes im Norden Südamerikas umfasst mehr als 25 % des noch verbliebenden globalen Regenwaldbestandes. Sie zählt daher zu einem der vier weltweit bedeutendsten großflächigen Regenwaldgebiete. Dazu kommt, dass sich das Guyanaschild durch eine sehr hohe Anzahl von endemischen Arten auszeichnet und somit eines der wichtigsten Zentren biologischer Vielfalt der Neotropis ist.

In Folge rasanter wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen ist auch in dieser Region ein zunehmender Druck auf die bisher noch verhältnismäßig intakten Waldökosysteme zu beobachten. Die Länder des Guyanaschildes müssen kritische Entscheidungen über die Vereinbarkeit von Nutzung und Schutz bzw. Erhalt der verbliebenen Wälder treffen. Eine solche Entscheidung ist die geplante Neuausweisung und Erschließung eines touristisch potenziell attraktiven, aber bisher noch unzureichend untersuchten Gebietes, den so genannten Turu Falls. Durch seine einmalige Topographie (steinige Bachläufe mit kleinen Wasserfällen und Kaskaden) und seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt nimmt das Gebiet eine Sonderstellung ein.
Hier kommen einige Harlekin-Froscharten vor, die nirgendwo anders anzutreffen sind. Diese Amphibienarten, die wahrscheinlich selbständige Arten darstellen, wurden erst kürzlich entdeckt, und es fehlen jegliche Daten zu ihrer Biologie, Populationsgröße oder Verbreitung.
Bisher wurden einiger dieser Arten ausschließlich in einem kleinen Teilgebiet der Turu Falls nachgewiesen – damit ist das Gefährdungspotential als besonders hoch einzuschätzen. Sollte die beabsichtigte Einbindung der Turu Falls in das bisherige Ökotourismuskonzept der Region vollzogen werden, könnte dies drastische Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem und die dort vorkommenden Froschpopulationen haben. Eine Entwicklung des Gebietes hätte Störungen durch geführte Besuchergruppen und Lebensraumänderungen  (Errichtung von Schutzhütten, Anlage von Pfadsystem, etc.) zur Folge.
Um die Vereinbarkeit von Ökotourismus und Amphibienschutz in der Region zu überprüfen, sollen Informationen über die potenziellen Gefährdungen, die mit touristischer Nutzung und daraus resultierender Habitatveränderung verbunden sind, gewonnen werden. Daher erheben Dr. Raffael Ernst vom Senckenberg-Museum in Dresden und die Biologin Monique Hölting von der Technischen Universität Berlin mit der Unterstützung der lokalen Forstbehörde grundlegende Daten zu Populationsgroße, Habitatwahl, Vorkommen und Biologie einiger besonders interessanter und relevanter Zielarten. Die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse sollen Aufschluss geben über das Gefährdungspotential der Amphibienarten und für die nachhaltige Entwicklungsplanung des Gebietes unter Berücksichtigung des Artenschutzes genutzt werden.

 

Titicaca Water Frog Conservation Project

Seit 2009 unterstützt die Stiftung Artenschutz die Maßnahmen zum Schutz des seltenen Titicaca-Riesenfrosches. Diese Amphibienart kommt ausschließlich in dem Titicaca-See zwischen Peru und Bolivien vor. Erst vor Kurzem wurde er auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion in die Kategorie  „vom Aussterben bedroht“ hochgestuft, aufgrund des akuten Populationsrückgang von knapp 40 % innerhalb der letzten 10 Jahre. Für den Rückgang sind mehrere Gefährdungsursachen verantwortlich – Jagd für den menschlichen Verzehr, Beifang in Fischernetzen, Wasser-verschmutzung und Lebensraumzerstörung. Dazu kommen eingeführte Fischarten wie die Forelle, die sowohl auf die Kaulquappen als auch auf die Frösche Jagd machen.

Im Laufe des zuletzt geförderten Projektes im Jahr 2010/2011 wurde die Existenz einer weiteren Gefahrenquelle bestätigt. Die Forscher stellten bei 65 % der untersuchten Tiere einen Befall mit dem tödlichen Chytridpilz fest.
Diese akute Bedrohung erfordert dringende Maßnahmen für den Schutz und Erhalt der Art. Die Entwicklung geeigneter Schutzmaßnahmen und einer langfristigen Schutzstrategie für den Titicaca-Riesenfrosch erfordern allerdings genaue Kenntnisse über die Populationsstruktur und -veränderungen. Daher wird Dr. Sebastian Herzog ein mindestens dreijähriges Monitoringprogramm starten, um die Entwicklung der Froschpopulation und die Auswirkungen des Chytridpilzes zu erforschen. Der Amphibien-Fonds fördert im Jahr 2012 die ersten 12 Monate der geplanten Populationsuntersuchungen.

Sag mir, wo die Frösche sind — Amphibienschutz und Umweltbildung

Beim Projekt des Österreichischen Vereins AURING handelt es sich um Habitatmanagementmaßnahmen und Umweltbildung in den March-Thaya-Auen.

Die March-Thaya-Auen, das weltweit erste trilaterale RAMSAR-Gebiet seit 2007, zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Amphibienvielfalt aus. Hier leben sowohl zahlreiche Amphibienarten als auch über 240 Vogelarten.
Trotz seines Artenreichtums ist das Gebiet massiv bedroht. Insbesondere Hochwasserverbauungen und Drainagierung in flussnahen Gebieten haben die Austrocknung von Amphibiengewässern und damit den Rückgang der Amphibien zur Folge.
In diesem international bedeutsamen Feuchtgebiet findet das Projekt des Österreichischen Vereins AURING satt. Mit Fördermitteln aus dem Amphibien-Fonds werden aktive Habitatmanagement- und Renaturierungsmaßnahmen zur Erhaltung der Amphibienvielfalt durchgeführt. Das Projekt beinhaltet zudem Umweltbildungsmaßnahmen zur Schaffung eines gesteigerten Bewusstseins für die Bedeutung der Amphibien.

 

Amphibiennachzuchtprogramm in der „Melinh Station for Biodiversity“

Bereits im Jahr 2009 war der Amphibien-Fonds maßgeblich an der Entwicklung und dem Aufbau der IEBR-Amphibienstation in Hanoi beteiligt. Ziel des Projektes zwischen vietnamesischen und deutschen Einrichtungen war der Aufbau von Reservepopulationen bedrohter Arten vor Ort, um für zukünftige Maßnahmen und mögliche Auswilderungsaktionen vorbereitet zu sein.

Aufgrund von Bau- und Erweiterungsmaßnahmen muss die IEBR-Amphibienstation in Hanoi im Jahr 2013 geschlossen werden. Um die Nachzucht und Erforschung von Amphibienarten in Vietnam dennoch nachhaltig und langfristig fortführen und verbessern zu können, sollen die Haltungen in die am Rande des Tam-Dao-Nationalparks in Nordvietnam gelegene „Melinh Station for Biodiversity“ – eine Außenstelle des IEBR – umziehen. Durch den Umzug können zudem die Amphibiennachzuchtprojekte und Edukationsmaßnahmen erweitert werden. Die „Melinh Station for Biodiversity“ ist direkt am Waldrand gelegen, dort können regelmäßig Exkursionen und Schulungen u.a. für Studenten sowohl in der Station als auch im Wald stattfinden. Der Umzug der Amphibienschutzsatation wird mit Fördermitteln aus dem Amphibien-Fonds unterstützt.