Amphibien-Fonds 2010

Geförderte Projekte:

Historische Nachweise über die Verbreitung des Chytridpilzes in Deutschland

Der Europäische Laubfrosch in Brandenburg

Harlekinfrösche in Peru — mehr Arten als gedacht?

Entwicklung eines individuenspezifischen Zeichnungsmusters beim Zagros-Molch

Projektstatus Dieses Projekt ist abgeschlossen und benötigt keine Finanzierung

Die Projekte des Amphibien-Fonds im Jahr 2010

 

Historische Nachweise über die Verbreitung des Chytridpilzes in Deutschland: Gab es den tödlichen Amphibien-Pilz bereits in den 1980er Jahren?

Die Chytridiomykose ist eine für Amphibien meist tödliche Pilzerkrankung, die zu dem weltweit beobachteten, dramatischen Rückgang dieser Tiergruppe beiträgt. Bislang sind über 250 Amphibienarten von der Krankheit betroffen. Allerdings ist es immer noch nicht bekannt, ob der gefährliche Erreger durch die Menschen verbreitet wurde oder ob er seit langem vorhanden war und unbekannte Faktoren zu einem starken Ausbruch der Erkrankung geführt haben. Um zu klären, seit wann der Pilz in Deutschland vorkommt, untersucht Dr. Susanne Böll Proben von Geburtshelferkröten, die aus den späten 1980er Jahren stammen und im Berliner Museum für Naturkunde aufbewahrt werden. Die Studie, die vollständig durch den Amphibien-Fonds finanziert wird, soll Erkenntnisse zur Verbreitung der Krankheit liefern und damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Ursachen des weltweiten Massensterbens der Amphibien liefern.     

 

Der Europäische Laubfrosch in Brandenburg

Trotz seiner Popularität und intensiver Schutzbemühungen gilt der Europäische Laubfrosch in Mitteleuropa als stark gefährdet. Nicht zuletzt aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft und des zunehmenden Verlustes geeigneter Laichplätze ist die Art großräumig bedroht. Doch auch in manchen geeigneten Lebensräumen kommt der Europäische Laubfrosch nicht vor: In Brandenburg beispielsweise, am Nordufer der Elbe, würden die Laubfrösche geeignete Lebensbedingungen vorfinden — und doch fehlt die Art gänzlich. Dr. Raffael Ernst (Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden) und Felisa Henrikus (Universität Potsdam) suchen nach den Faktoren für diese Verbreitungslücken in Brandenburg. Insbesondere soll geklärt werden, ob die von den Menschen gemachten "Barrieren" wie Straßen, landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen für die Art unüberwindbar sind. Darüber hinaus werden potenzielle Lebensräume für eine geplante Ansiedlung ausgewertet.

 

Harlekinfrösche in Peru — mehr Arten als gedacht?

In Zeiten der globalen Amphibienkrise ist es wichtig, umfassende Kenntnisse über die herrschende biologische Vielfalt und insbesondere über die Amphibienarten zu gewinnen. Denise Jennifer Ellwein und Dr. Stefan Lötters von der Universität Trier führen eine Studie über die Harlekinfrösche in Peru durch. Mit 113 bekannten Arten sind die Harlekinfrösche eine der artenreichsten Amphibiengruppen. Mehr als ein Viertel der Arten wurde in den letzten 13 Jahren nicht mehr in der Natur gesichtet und es wird vermutet, dass sie bereits ausgestorben sind. Um adäquate Schutzmaßnahmen für die wenigen noch verbliebenen Arten zu entwickeln, muss ihre Verbreitung und Gefährdung besser eingeschätzt werden. Frühere Studien in Peru fanden mindestens sechs unbeschriebene Arten vor. Die aktuelle Studie untersucht die neu identifizierten Arten genauer.

 

Entwicklung eines individuenspezifischen Zeichnungsmusters beim Zagros-Molch

Der Zagros-Molch gehört nicht nur zu den schönsten Molcharten der Welt, sondern auch zu den am meisten gefährdeten. In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN wird er als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Anfang 2010 wurde der Zagros-Molch in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens aufgenommen, mit der Folge, dass nun ein weltweites Handelsverbot für die Art gilt. Für die Tiere, die sich schon in menschlicher Obhut befinden und gezüchtet werden (auch in Zoos), gibt es eine strenge Kennzeichnungspflicht: Jedes Tier muss individuell identifiziert werden können. Die meisten Molche tragen ab einem bestimmten Alter eine Körperzeichnung, die konstant bleibt und sich, wie der Fingerabdruck eines Menschen, von Tier zu Tier unterscheidet. Melanie Kalina und Günter Schultschik von der Universität Wien untersuchen, wie sich das Zeichnungsmuster bei den Zagros-Molchen entwickelt. Sie prüfen, ab welchem Alter sich das Zeichnungsmuster nicht mehr verändert und welche Körperregionen sich am besten für die Wiedererkennung eignen. Sollte die Studie ein für jedes Tier bereits als Jungtier typisches Muster nachweisen, wäre das von internationaler Bedeutung. Denn dann würde ein Foto des Musters zur Erkennung der Individuen genügen — eine für die Tiere schonende Methode, die zudem technisch geringere Anforderungen stellt als Transponder oder Tätowierung.