ACCB

Angkor Centre for Conservation of Biodiversity - A Kingdom of Cambodia/Goetz-Project

Region: Kambodscha

Projektpartner: Allwetterzoo Münster, Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP)

www.accb-cambodia.org

 

Projektstatus Dieses Projekt läuft und kann finanziert werden.

Titelfoto:© ACCB

Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB)

Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in der Nähe der Tempelanlagen des Weltkulturerbes Angkor Wat ist das erste Naturschutzzentrum Kambodschas. Ziel des ACCB ist es, zum Erhalt der Tierwelt in der Region Angkor und der Biodiversität generell in Kambodscha beizutragen. Ein Zentrum zur Zucht hochgradig bedrohter Tierarten und ein Schulungs- und Informationszentrum für die einheimische Bevölkerung sowie auch Touristen bilden den Kern des Projektes.

Die Hauptziele des ACCB

  • Auffangstation für verletzte oder beschlagnahmte Wildtiere
  • Gezielte Erhaltungszucht (und langfristig die Wiederansiedlung bzw. Aufstockung) äußerst bedrohter, in Kambodscha vorkommender Tierarten
  • Ausbildung der lokalen Bevölkerung und „Capacity Building“ für Aktivitäten im Bereich Naturschutz und -management in Kambodscha sowie Umweltbildung zu lokalen und internationalen Naturschutzproblemen, Entwicklung zielgruppenspezifischer Informationsprogramme (Gemeinden, Studenten / Schüler, Touristen)
  • Beispiele für nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen unter Einbindung der Kommunen (z. B. Bienenprojekt, Solarenergie, Produktion und Verkauf lokaler Produkte)
  • naturschutzrelevante (Feld-)forschung

    Ein "Memorandum of Agreement" über die Errichtung des 25 ha umfassenden Naturschutzzentrums wurde im Mai 2002 von der kambodschanischen Regierung unterzeichnet und das entsprechende Gelände zur Verfügung gestellt. Dieses befindet sich am Fuße des Phnom Kbal Spean, 40 km nördlich von Siem Reap.
    Im April 2003 erfolgte die Grundsteinlegung, zu Beginn des Jahres 2004 konnten die ersten Bereiche genutzt werden. Das Zuchtzentrum mit mehreren Tiergehegen, eine Quarantänestation und ein Schulungsgebäude mit Bibliothek sind in Betrieb. Im Schulungszentrum finden seit Mitte 2006 umfangreiche Kurse in der Umweltbildung statt. Zusätzlich werden in den umliegenden Dörfern Lehrgänge und Aktionen veranstaltet.

Schutzprojekte für Geier, Storch und Co.

Geier spielen eine bedeutende Rolle im Ökosystem und verhindern durch ein schnelles Vertilgen von Aas den Ausbruch vieler Krankheiten. In vielen Ländern Südasiens gehen die Bestände von Geiern seit Anfang der 1990er Jahre drastisch zurück. Verursacht wird der Rückgang durch das Arzneimittel Diclofenac, ein häufig verwendetes Medikament, das auch in der Veterinärmedizin bei Rindern eingesetzt wird. Zwar ist Kambodscha eines der wenigen Länder, in denen Diclofenac derzeit nicht verwendet wird, doch herrscht ein immer dramatisch werdender Nahrungsmangel für die Tiere.
Abhilfe schaffen daher sogenannte „Geier-Restaurants“. In diesen Stationen wird regelmäßig Futter ausgelegt, um zusätzliche Nahrung bereitzustellen. Begleitet wird diese Maßnahme von Bestandszählungen und der Bewachung von Nestern.
Das ACCB ist Teil eines landesweiten Schutzprogramms für die Geier und finanziert die Futterstation in Sesan in der Provinz Stung Treng sowie fortlaufende Untersuchungen und Schutzmaßnahmen in diesem Gebiet.

Ein zweites, vom ACCB unterstütztes Schutzprojekt, dient der Erhaltung großer Vogelarten wie Störche und Kraniche. Die Eier und Jungvögel dieser Arten werden häufig für den menschlichen Verzehr und den illegalen Wildtierhandel abgesammelt. Die lokale Bevölkerung wird aktiv in die Naturschutzarbeit eingebunden, indem sie für die Meldung und den anschließenden Schutz der Nester belohnt wird. Die Menschen erhalten Anreize, im Erhalt der Natur und der Tiere einen höheren Gewinn als in kurzfristiger Ausbeutung zu sehen. Dies ist der effektivste Schutz der Gelege und Jungvögel.

Auffang- und Zuchtzentrum

Neben der Umweltbildung und der Durchführung von Naturschutzprojekten im ganzen Land beinhaltet das ACCB ein Zentrum zur Zucht bedrohter einheimischer Tierarten und eine Auffangstation für Tiere, die aus illegalen Haltungen oder im illegalen Handel beschlagnahmt wurden. Die aufgenommenen Tiere werden, soweit möglich, auf eine Wiederauswilderung vorbereitet und in die Wildnis entlassen, sobald sie wieder gesund sind. Ausgewählte Vertreter bedrohter Arten werden in Erhaltungszuchtprogramme integriert.
Zu den bedrohten Tieren, die im ACCB gepflegt werden, gehören beispielsweise diverse Primaten, Java-Schuppentier (Manis javanica), Großer Marabu (Leptoptilos dubius) und Sunda-Marabu (Leptoptilos javanicus), Ährenträgerpfau (Pavo muticus) und endemische Wasserschlangen. Die Auffangstation erhält außerdem häufig Bengalkatzen (Prionailurus bengalensis), Fleckenmusangs (Paradoxurus hermaphroditus) und Kurzschwanz-Stachelschweine (Acanthion brachyura).

Umweltbildung und sozioökonomische Ansätze

Die Umweltbildung ist ein wichtiger Teil des Naturschutzes. Umweltbildungsmaßnahmen dienen dazu, der lokalen Bevölkerung ein Verantwortungsgefühl für ihre Umwelt zu vermitteln. Dafür schafft das ACCB eine aktive Lernumgebung, die über Umweltprobleme informiert, kritisches Denken anregt und eine persönliche Umwelteinstellung fördert. In den Schulungsgebäuden des ACCB werden Workshops und Seminare angeboten. Für Erwachsene werden abendliche Veranstaltungen und für Kinder Unterrichtsreihen in Dorfschulen durchgeführt.
Die Umweltbildungsmaßnahmen richten sich nicht nur an die lokale Bevölkerung, sondern auch an internationale Touristen und Besucher des ACCB. Darüber hinaus wurden spezielle Touristen-Aktivitäten in den Dörfern entwickelt, um den Familien ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen. Ein Großteil der Einnahmen wird einem Gemeinde-Fonds zur Verfügung gestellt, der allen Bewohnern zu Gute kommt. Dieser Fonds wirkt unterstützend bei Entwicklungsprojekten und kann außerdem als Anschubfinanzierung für weitere Einkommen generierende Aktivitäten eingesetzt werden.

Die Stiftung Artenschutz dankt Dr. Stephan Goetz für die Finanzierungshilfe beim Aufbau des ACCB. Die Naturschutzmaßnahmen, Forschungsaktivitäten sowie die Versorgung mit Solarenergie wurden wesentlich durch die Fondation Prince Albert II de Monaco via Act for Nature gefördert. Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) finanzierte den Aufbau und der Etablierung der Umweltbildungskomponente des ACCB. Zudem danken wir der Schellenberg Stiftung für die Unterstützung des Projektes.