Fünf Argumente für den Artenschutz

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Das Ziel des Artenschutzes ist es, die Ausrottung von Leben durch den Menschen zu stoppen und so viele Arten wie möglich zu erhalten. Folgende fünf Aspekte sollen den Wert der Artenvielfalt und damit die Bedeutung des Artenschutzes verdeutlichen:

1.

Die Ausrottung reißt große Lücken in das Ökosystem der Natur. Wirbeltiere, Insekten, Moose, Bäume und alle anderen Lebewesen sind eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig. Dafür gibt es viele Beispiele, z.B. die Abhängigkeit zwischen Pflanzenarten und den sie bestäubenden Insekten. Abhängigkeit bedeutet, dass der eine Partner ohne den anderen nicht überleben kann. Damit zieht die Ausrottung einer Art häufig auch das Aussterben anderer Arten nach sich.

DONALD A. FALK, ein bekannter amerikanischer Wissenschaftler und Ökologe, hat die Problematik einmal so ausgedrückt:

We consider species to be like a brick in the foundation of a building. You can probably lose one or two or a dozen bricks and still have a standing house. But by the time you've lost 20 per cent of species, you're going to destabilize the entire structure. That's the way ecosystems work.


Wir betrachten einzelne Arten wie die Bausteine eines Hauses. Man könnte einen, zwei oder vielleicht auch ein Dutzend Steine verlieren und immer noch ein stabiles Haus bauen. Nun, da man jedoch 20 Prozent aller Arten bereits verloren hat, ist man auf dem Weg, die gesamte Struktur aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das ist die Weise, in der Ökosysteme funktionieren.

2.

Nicht nur für die Natur, auch für den Menschen ist das schnelle Sterben der Arten mit negativen Konsequenzen verbunden, denn mit den Arten gehen viele ökologische und ökonomische Werte verloren: Zum einen sind Tiere und Pflanzen Garanten für Nahrung in Form von Fleisch, Fisch, Früchten oder Wurzeln. Zum anderen sind zahlreiche Arten unersetzliche Quellen für wichtige Medikamente wie Chinin, Digitalis oder Glucobay. Auch viele pflanzliche Stoffe zur Bekämpfung von Krebs sind schon entdeckt, und zahlreiche Heilmittel werden noch in Lebensräumen überall auf der Erde vermutet. Außerdem liefert die Natur industrielle Produkte wie Holz, Kork, Wolle, Gifte, Gummi und Leder. Andere ökonomisch zu betrachtende Werte sind der Öko-Tourismus und damit verbunden die Erholung der Menschen, welche langfristig zu einer Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität und Leistung führt.

Die rein monetäre Bewertung der Natur und der Artenvielfalt muss jedoch in Frage gestellt werden. Zudem können ökonomische Schätzungen der Natur kaum exakt durchgeführt werden. Sinnvoller als den aktuellen Nutzwert anzugeben, ist, den so genannten "replacement value" (Wiederbeschaffungswert) zu bestimmen: Während zerstörte Gebäude, Maschinen und Kunstwerke wieder aufgebaut, repariert oder nachgebaut werden können, gibt es für ausgerottete Arten kein Zurück – sie sind für immer verloren und für kein Geld der Welt nachzubilden.

Hier sei noch einmal EDWARD O. WILSON, der amerikanische Entomologe (Insektenforscher) zitiert:
We should preserve every scrap of biodiversity as priceless while we learn to use it and come to understand what it means to humanity.

Wir sollten jedes kleinste Stückchen der Artenvielfalt als unschätzbar wertvoll erhalten, während wir lernen damit umzugehen und zu verstehen, was es für die Menschheit bedeutet.

3.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Wert der Artenvielfalt für die Wissenschaft. Lebewesen wie Schildkröten oder Tapire, die seit Millionen von Jahren nahezu unverändert existieren, geben aufschlussreiche Informationen über die Entwicklung des Lebens auf der Erde.

In diesem Zusammenhang sagte einmal PETER R. GRANT, Professor an der Princeton University in New Jersey (USA):

A major task for evolutionary biologists is to explain the origin of biodiversity.

Eine Hauptaufgabe von Evolutionsbiologen ist die Erklärung des Ursprunges der biologischen Vielfalt.

4.

Stärker noch als der ökonomische Wert der Artenvielfalt fällt die Bedeutung der ethischen Verantwortung der Menschen ins Gewicht. Viele Völker haben eine enge Verbindung zu Tieren und Pflanzen, verehren sie als Götter oder heilig oder fühlen sich für sie verantwortlich, da sie ihnen anvertraut wurden. Nicht nur Naturreligionen, auch der Buddhismus und das Christentum räumen nichtmenschlichen Lebewesen einen hohen Stellenwert ein. Ein willkürliches Töten und damit verbunden die Ausrottung sind für viele religiöse Gemeinschaften demnach nicht akzeptabel. Der Gedanke, dass etwas von Menschenhand unwiederbringlich zerstört wird, was nicht von Menschenhand geschaffen wurde und viel älter ist als der Mensch, lässt auch nicht-religiös geprägte Menschen aktiv werden. Viele Menschen fühlen die Verantwortung gegenüber noch kommenden Generationen, diesen die Schätze der Natur nicht vorzuenthalten. Und nicht zuletzt gibt es plausible Gründe, Arten und Individuen einen inhärenten Wert zuzuschreiben, so dass ihr Schutz nicht nur für den Menschen (anthropozentrische Position), sondern um ihrer selbst willen (biozentrische Position) erfolgen sollte.

Folgendes Zitat entstammt einer Rede von Häuptling SEATTLE vor dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, 1855:

This we know: the earth does not belong to man, man belongs to the earth. All things are connected like blood that unites us all... Man did not weave the web of life; he is merely a strand in it. Whatever he does to the web, he does to himself.

Denn eines wissen wir: Die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört der Erde. Alle Dinge sind miteinander verbunden wie Blut, das uns alle vereint... Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewoben, er ist nur ein Faden in diesem Netz. Was immer er dem Netz antut, tut er sich selbst an.

5.

Nur wenig bedacht, aber vielleicht am wichtigsten von allen Gründen für den Erhalt der Artenvielfalt, ist die Inspiration, die jeder Mensch (bewusst oder unbewusst) aus der Vielfalt des Lebens zieht. Was wäre Afrika ohne die Vorstellung von Elefanten, Giraffen oder Löwen, was ein Frühling in Europa ohne das Morgenkonzert von Amsel, Buchfink und Co., was ein warmer Sommerabend ohne das Gezirpe der Grillen und was eine als schön empfundene Landschaft ohne ihre charakteristische Pflanzendecke? Kein gut gelungenes (sprich: bei den Kunden ankommendes) Design eines "Autogesichtes", das (vom Designer häufig unbewusst) nicht durch irgendein reales Tiergesicht inspiriert wurde, kein schickes Stoffdesign, dessen Grundmuster oder -farben nicht schon längst irgendwo in der Tier- oder Pflanzenwelt existieren. Fantasie, Glück und Ausgeglichenheit brauchen Inspiration, und die bezieht jeder Mensch – ob er sich das eingesteht oder nicht – zu einem bedeutenden Teil aus der Lebensvielfalt.

NIGEL COLLAR von Birdlife International schreibt (2003):
Fulfilment, excitement, beauty, pleasure poetry, magic, grace - these are qualifications in life, which are essentially immeasurable, have no price tag, no replacement value, and consequently place biodiversity beyond value, or at least beyond valuation in economic terms.

Erfüllung, Reiz, Schönheit, leidenschaftliche Poesie, Magie, Anmut - dies sind die wesentlichen Kennzeichen des Lebens, die unbezahlbar und nicht ersetzbar sind und daher die Artenvielfalt ihrem Nutzen voranstellen, das heißt zumindest ihrem wirtschaftlichen Nutzen.