Der Amur-Leopard kehrt heim: Pläne zum Bau einer Wiederansiedlungsstation offiziell bekannt gegeben

Im russischen Fernen Osten soll 2017 ein Zentrum zur Wiederansiedlung für Amur-Leoparden entstehen. Die Anlage wird im Rahmen eines Schutzprogramms gebaut, das der Umweltminister Sergey Donskoy offiziell genehmigt hat.

Zum ersten Mal besprachen Experten eine mögliche Wiederansiedlung bei einem Treffen im Jahr 1996. Die damals gebildete Arbeitsgruppe beschloss zwei Jahre später die erste „Nationale Strategie für den Erhalt des Amur-Leoparden in Russland“. Über lange Zeit bestimmte dieses Dokument die konkreten Schutzmaßnahmen, von denen die meisten im Laufe der Zeit erfüllt werden konnten. Eine Wiederansiedlung konnte allerdings bis zuletzt nicht durchgeführt werden. 

Im Jahr 2013 wurde die Strategie überarbeitet und diente als Grundlage für einen aktualisierten Schutz- und Maßnahmenplan. Gleichzeitig wurde das Programm zur Wiederansiedlung beschlossen, das im Juni 2015 vom Umweltminister genehmigt wurde. Damit konnten im Jahr 2015 sowohl der erste offizielle Schritt zur lang geplanten Wiederansiedlung als auch die ersten konkreten Maßnahmen eingeleitet werden.

Nach umfassenden Analysen der verbliebenen Lebensräume in dem ehemaligen Verbreitungsareal des Amur-Leoparden wurde das Gebiet bestimmt, in dem die Reservepopulation etabliert werden soll. Experten zufolge eignet sich das südliche Sikhote-Alin – ein Küstenbereich am Japanischen Meer – am besten für die Wiederansiedlung. Das 7.000 km2 große Gebiet zwischen den Regionen Lazov und Olgin bietet aktuell den besten Schutz und die beste Infrastruktur. Darüber hinaus lebt hier eine erhebliche Zahl von Huftieren und anderen potenziellen Beutetierarten, die den Leoparden eine gute Nahrungsgrundlage bieten. 1.400 km2 des südlichen Sikhote-Alins gehören zudem zu einem schon bestehenden Schutzgebietsnetz. Dazu zählen zwei Naturparks, der Nationalpark „Zov Tigra“ („Ruf des Tigers“) und das streng geschützte Reservat „Lazovski“. Im Letzteren soll die Wiederansiedlungsanlage entstehen. Hier sollen die Tiere gezielt gezüchtet und auf die Wiederansiedlung vorbereitet werden.

Es ist geplant, keine Tiere aus der bestehenden Wildpopulation zu entnehmen. Für die Zucht und die nachfolgende Freilassung sollen die Leoparden aus verschiedenen zoologischen Einrichtungen weltweit eingeflogen werden. Ein Grund dafür soll nicht zuletzt die höhere genetische Variabilität der Zoo-Tiere sein. Um die gute Anpassung im neuen Lebensraum zu gewährleisten, werden die in der Station geborenen Tiere ein speziell entwickeltes Trainingsprogramm durchlaufen. Dazu gehören beispielsweise das selbstständige Jagen sowie das gezielte Vermeiden von Menschen und Tigern.

Gleichzeitig mit den Vorbereitungen für die Wiederansiedlung werden Maßnahmen durchgeführt, die der Sicherung der potenziellen Lebensräume sowie dem Schutz der Großkatzen und ihrer Beutetiere vor Wilderern dienen. Die Menschen vor Ort wurden in öffentlichen Informationskampagnen schon mit dem Schutzprogramm bekanntgemacht. Um zukünftige Konflikte zu vermeiden, werden demnächst Maßnahmen zur Schadenskompensation erarbeitet.

Das Programm zur Wiederansiedlung in Sikhote-Alin ist zunächst auf 12 Jahren angelegt. Mit ersten Nachkommen wird in 3-4 Jahren gerechnet. Das Team hofft, dass sich in Zukunft die Leoparden auch außerhalb der Grenzen des Wildreservats „Lazovski“ in Richtung Küste ausbreiten werden. „In Abhängigkeit von der Geburten- und Überlebensrate erwarten wir eine Population von etwa 50 Tieren“, so der Umweltminister.